Von Bürostühlen bis hin zu Exoskeletten, den körperlichen Unterstützungssystemen, die sich den Bedürfnissen des Körpers anpassen, werden Materialien, die die Arbeitsbedingungen verbessern, heute mehr beachtet. Seit der Pandemie erhält das Unternehmen Ergosanté, das ergonomische Berufsausrüstungen herstellt, immer mehr Aufträge. Treffen mit ihrem Gründer Samuel Corgne.
Wird die Frage der ergonomischen Gestaltung von Arbeitsplätzen heute in den Unternehmen stärker berücksichtigt?
Samuel Corgne: Bei der Auswahl von Berufsausrüstung wird der Aspekt der Gesundheitsvorsorge heute von den Unternehmen stärker berücksichtigt. Das Bewusstsein dafür entstand mit der Krise im Zusammenhang mit dem Covid und dem Aufkommen der Telearbeit. Niemand hatte die Zeit gehabt, sich entsprechend auszurüsten, und so lümmelten sich alle auf ihrem Küchenstuhl oder Sofa herum, was zu vielen Gesundheitsproblemen, insbesondere Rückenschmerzen, führte. Die Frage der Rückkehr an den Arbeitsplatz hat die Unternehmen dazu veranlasst, über die Gestaltung ihrer Räume und deren Attraktivität nachzudenken, um den Mitarbeitern Lust auf die Rückkehr an den Arbeitsplatz zu machen. Im Mittelpunkt dieser Überlegungen stehen der Komfort und die Ergonomie der Büromaterialien, um das Auftreten von Muskel- und Skeletterkrankungen zu vermeiden.
Wie sieht es mit manuellen Berufen aus? Welche Lösungen gibt es für körperlich anstrengendere Arbeitsplätze?
S. C.: Zu den Lösungen, die zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen entwickelt wurden, gehören auch Exoskelette, d. h. physische Unterstützungssysteme, die sich an die Bedürfnisse des menschlichen Körpers anpassen. Ich persönlich mag den Begriff "Exoskelett" nicht, da er an Science-Fiction und Transhumanismus erinnert und dem Gerät eine Dimension der Steigerung menschlicher Fähigkeiten und Leistungen verleiht. Das ist aber nicht das Ziel! Diese Ausrüstung verringert die Beschwerlichkeit am Arbeitsplatz, indem sie den Rücken und den Nacken entlastet und auch Gebrechen ausgleicht. Ich bevorzuge daher die Bezeichnung "Gerät zur körperlichen Unterstützung".
"ICH MAG DEN BEGRIFF "EXOSKELETT" WIRKLICH NICHT, DA ER AN EINE SCIENCE-FICTION-WELT ERINNERT UND DEM GERÄT EINE DIMENSION DER STEIGERUNG MENSCHLICHER FÄHIGKEITEN VERLEIHT - DAS IST ÜBERHAUPT NICHT DAS ZIEL! DIESE AUSRÜSTUNG DIENT DAZU, DIE BESCHWERLICHKEIT AM ARBEITSPLATZ ZU VERRINGERN".
Sind diese Exoskelette nur etwas für die Hightech-Industrie?
S. C.: Der weltweite Markt für Exoskelette wächst rasant. Heute geht es noch um Millionen Euro, aber 2023 sollen es zwischen 2 und 5 Milliarden Euro sein! Die Preise werden sehr attraktiv und immer mehr Berufstätige greifen auf diese Lösungen zurück, vor allem wenn sie repetitive Bewegungen ausführen, wie z. B. Personen, die in Sortierzentren arbeiten, Chirurgen oder Milchbauern beim Melken der Kühe... Exoskelette ermöglichen es auch, die Beschäftigung von Arbeitnehmern mit Behinderungen zu fördern. Das Fehlen spezieller Ausrüstungen für Invaliden steht im Mittelpunkt der Schwierigkeiten von Arbeitnehmern mit Behinderungen, deren Arbeitslosenquote doppelt so hoch ist wie im Landesdurchschnitt.
ErgoSanté mit Unterstützung des Investmentfonds Mutuelles Impact
Das Unternehmen ErgoSanté war eines der ersten Unternehmen, das von Mutuelles Impact unterstützt wurde. Bei seiner Gründung im November 2020 auf Initiative der Mutualité Française und 45 Versicherungsvereinen auf Gegenseitigkeit entschied sich dieser soziale und ökologische Investitionsfonds, der sich dem Gesundheitswesen und dem medizinisch-sozialen Bereich widmet, dafür, 3 Millionen Euro in das Unternehmen zu investieren, das ergonomische Lösungen herstellt. Auf diese Weise sollen die Maßnahmen des Unternehmens zur Förderung des Zugangs zu Arbeitsplätzen und zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen für Menschen ohne und mit Behinderungen unterstützt werden.